Hermann Schallbroch (Hobbyteam)

Über fünf Generationen

Handel und Wandel

29.01.2009 WAZ Duisburg

 

Duisburg-Süd Schallbroch, Düsseldorfer Landstraße 321: hat vor 10 Jahren sein Eisenwaren- und Hausratgeschäft nach über 175 Jahren in Familienhand geschlossen – ein Rückblick .

WAZ Foto : Jürgen Metzendorf

Nach über 175 Jahren war die Zeit für das Eisenwaren- und Hausrat-Fachgeschäft von Hermann Schallbroch 1998 abgelaufen

50 Jahre lang war der blaue Kittel ihre Berufsbekleidung. Im Frühjahr1998 gaben Erika und Hermann Schallbroch ihr alteingesessenes Eisenwaren und Hausrat-Fachgeschäft an der Düsseldorfer Landstraße auf. Fünf Generationen lang hatte die Familie in Huckingen Einzelhandel betrieben, anfangs mit Waren aller Art.

„Ich hab’ schon in den 1970er Jahren vorausgesagt, dass der Einzelhandel vor großen Umbrüchen stehen wird, dass das Geschäft in dem Rahmenkeine Zukunft hat”, erzählt der letzte Huckinger Eisenwarenhändler. So ganz kann der 76-Jährige davon aber bis heute nicht lassen. „Ich betreibe noch einen Schlüssel-Notdienst”, sagt der Geschäftsmann. Für Polizei und Gerichtsvollzieher steht er auf Abruf bereit. „Ich hab’ immer noch flott dieTüren auf, sonst würden die mich nicht rufen”, fügt er hinzu.

Hermann Schallbroch ist in seinem Beruf vermögend geworden. Aberer hat dafür auch hart arbeiten müssen, sogar sonntags. 1948, nach der Handelsschule, hatte er eine Einzelhandelslehre in Essen gemacht. 1951, nachdem Besuch der Fachschule für Eisenwarenhändler in Wuppertal, trat er in den elterlichen Betrieb ein: Handel mit Haushaltswaren, Geschenkartikeln,Eisenwaren und Gartengeräten. Das war damals höchste Zeit. Denn sein Vaterhatte sich 1945 beim Entladen auf dem Hof schwer verletzt, starb an den Folgen des Unfalls. „Meine Mutter aber hatte den Überblick verloren”, sagt er heute.

 

WAZ Foto : Jürgen Metzendorf

Der Juniorchef musste sich von Mitarbeitern trennen und das Geschäft neu ausrichten. Schon 1954, berichtet er, war der Betrieb saniert.Hermann Schallbroch erinnert sich noch an die Plackerei, als es galt, die fünf Zentner schweren Wasch-Bottiche aus Beton in die Neubausiedlung Ungelsheim auszuliefern. Es gab ja noch keine Waschvollautomaten. „Ich habe als Dreißigjähriger zum ersten Mal Urlaub gemacht”, erzählt er. 1960 heiratete Hermann Schallbroch Ehefrau Erika (66), die ihm tatkräftig zur Seite stand,heute aber sehr krank ist. Das Geschäft wurde weiter ausgebaut, zum Beispieldurch ein zweites Schaufenster und 60 Quadratmeter Verkaufsraum. Zeitweise gehörten bis zu fünf Mitarbeiter dazu. „Meiner Frau fiel immer was Neues ein”,erinnert er sich. So nahm sie nach der Hochzeit WMF-Besteck für 10 000 Mark insSortiment auf – und löste damit zur Erleichterung des skeptischen Ehemannesreißende Nachfrage aus. Eines Tages sei sie, sagt er,mit einem Auto voller T-Shirts vorgefahren, die sich wie „warme Semmeln” verkauften.

„Der Laden lief bombig. Aber irgendwann muss Schluss sein.” Daswar im Frühjahr 1998. Heute nutzen Tochter Ute, eine Steuerberaterin, und ein Versicherungsbüro die Räume. In einer kleinen Nische seines Lagers stehen sie aber noch, die alten, robusten Schlüssel-Maschinen. Und wenn das Telefonklingelt, macht Schallbroch sich auf zum nächsten Einsatz. „Das würde ich heute auch als junger Mensch wieder machen.”   

 

Info:Lehrstelle in Holland gefunden:

Karl Schallbroch fand in Duisburg keinen Ausbildungsplatz. Erstin den 1950er Jahren Spezialisierung auf Eisenwaren und Hausrat

Als Johann Schallbroch 1823 den Einzelhandel in Huckingenaufnahm, handelte er mit Waren aller Art, hauptsächlich mit Lebensmitteln. „AusHolland eingeschifften Kaffee holte er zum Beispiel am Uerdinger Hafen”,erzählt sein Ururenkel Hermann. Einzelhandel habe damals nur existieren können,wenn er auf jeden Kundenwunsch einging. „Die Kuhketten hingen da im Flur – sie mussten alles haben.” Lebensmittel, so habe ihm, der Vater eingeschärft, müsseman immer im Sortiment haben. „Sonst kann man schlechte Zeiten nichtüberleben”, fährt Hermann Schallbroch mit seiner Erzählung fort. Im 20.Jahrhundert setzte dann aber doch eine Spezialisierung im Einzelhandel ein. DasSortiment wurde immer vielfältiger, bis hin zu den heutigen Fachmärkten, denen letzlich auch Schallbroch weichen musste. „Die Lebensmittel hab’ ich 1952 oder1954 aufgegeben”, erzählt der Kaufmann. Von da an lag der Schwerpunkt auf Eisenwaren und Hausrat. VW Käfer mit Anhänger habe er jahrelang benutzt, um Waren auszuliefern. „Ich habe sie nach anderthalb Jahren bei 60 000 Kilometern abgegeben.” Flexibilität am Arbeitsmarkt, sagt Schallbroch, sei nicht erst heute gefragt. „Mein Vater hat seine Lehre in den 1920er Jahren in Holland gemacht. Hier gab es keine Lehrstellen”, erzählt er.  

 

Text: Martin Kleinwächter;Fotos: Jürgen Metzendorf

 

 

 

 

 

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